|
Die Prozessorientierte Psychologie wurde in den siebziger und achtziger Jahren von Dr. Arnold Mindell, einem Jungschen Lehranalytiker in Zürich entwickelt. Auch bekannt als „Prozessarbeit" oder „Traumkörperarbeit" bietet sie neue Wege an, um mit Bereichen des Lebens arbeiten zu können, die als problematisch oder schmerzhaft erlebt werden. Wenn somatische Symptome, Beziehungsprobleme, Gruppenkonflikte und soziale Spannungen mit Neugierde und Respekt beobachtet und entfaltet werden, dann können all diese Erfahrungen neues, für unser persönliches oder kollektives Wachstum entscheidendes Wissen hervorbringen. Die Wurzeln der Prozessarbeit liegen in der Psychologie C.G. Jungs, in der modernen Physik, in der Systemtheorie, im Taoismus und Schamanismus. Prozessarbeit folgt der Überzeugung, dass die Lösungen von Problemen in den Störungen selbst enthalten sind, und stellt Werkzeuge zur Verfügung, mit Hilfe derer Einzelne, Paare, Familien und Gruppen mehr Bewusstsein und kreativen Lebensausdruck entwickeln können.
1983 legte die Gesellschaft den Rahmen für ein Ausbildungsprogramm für Studierende aus dem In- und Ausland fest. 1985 nahm die Generalversammlung einen Plan zur Bildung einer internationalen Gesellschaft für Prozessorientierte Psychologie an.
In der Zwischenzeit hat diese sich zu einem weltweiten transkulturellen Netzwerk mit Mitgliedern in allen Kontinenten entwickelt. Neben dem Zentrum in Zürich gibt es seit 1990 das Process Work Center in Portland, Oregon, USA. Ausserdem sind selbstständige Zentren in Australien und Grossbritannien gegründet worden. Seit 1991 organisiert das Global Process Institute (ebenfalls mit Sitz in Portland, Oregon) Worldwork-Seminare.
Das Welt- und Menschenbild der Prozessorientierten Psychologie (POP)
Das prozessorientierte Denken, Arbeiten und Forschen geht davon aus, dass der Lebensprozess als solcher seinen Sinn in sich trägt. Prozessarbeit versucht der Natur zu folgen und die Dynamik und den Fluss zu unterstützen, welche sie vorfindet. Entwicklungen, notwendige Veränderungen und allenfalls Lösungen müssen nicht von aussen herangetragen werden, sondern ergeben sich von selbst aus der sorgfältigen Bearbeitung und Entfaltung dessen, was bereits geschieht.
Ein wichtiges Anliegen der Prozessorientierten Psychologie ist die "tiefe Demokratie". Diese Einstellung nimmt alle Teile eines Prozesses oder Feldes (beim Individuum und in einer Gruppe) gleich ernst und sorgt dafür, dass besonders die jeweiligen Minderheiten unterstützt und gehört werden. Auf der globalen Ebene sind uns deshalb die interkulturelle Arbeit und das Eintreten für Minderheiten besonders wichtig.
Die Entwicklung der Prozessorientierten Psychologie und ihre historischen Wurzeln
Die Prozessorientierte Psychologie entwickelte sich in einem kreativen Prozess, auf den verschiedene bestehende Theorien Einfluss hatten. Die wichtigste Basis dafür war die Jungsche Psychologie und ihr Modell der Dynamik zwischen dem Bewusstsein und dem Unbewussten. Ferner wurden Erkenntnisse der neueren Feld- und Systemtheorien, Informationstheorie und Kommunikationsforschung einbezogen.
Der Ansatz dieser Entwicklungs- und Forschungsarbeit war immer phänomenologisch und wurde vor allem durch die Forschungen Arnold Mindells (Physiker und damals Lehranalytiker am C.G.Jung-Institut Zürich) geprägt. Ende der 70er Jahre formulierte Mindell die Theorie des Traumkörpers und der Orientierung am Prozess in der Psychotherapie.
Historische Wurzeln erkennt die POP im Taoismus, in der Alchemie und im Schamanismus. Den phänomenologischen Ansatz und die Vorstellung, dem natürlichen Fluss (dem Tao) zu folgen, haben wir mit dem Taoismus gemeinsam. Wie die Alchemie beschäftigen wir uns mit dem genauen Studium der Dynamik der Naturprozesse und arbeiten daran, sie aufzugreifen und zu entfalten. Mit dem Schamanismus verbindet uns das Einbeziehen und Ernstnehmen des Irrationalen und Unerwarteten in unsere Arbeitsweise.
|